Frischer Wind in der Textilindustrie

Pneumatische Förderanlage mit Absaugeinrichtungen, Entstaubungseinheiten sowie Ent- und Belüftungsanlagen


Der Konsum in Europa stagniert und Produktions- und Maschinenverkaufszahlen sinken. Wer kann, investiert, modernisiert und macht seine Fertigung wirtschaftlicher. Unmittelbar beteiligt an mehr Produktivität und höherer Wirtschaftlichkeit ist auch die Lufttechnik. Dabei ist es nicht einfach, neue, bessere Systeme in bestehende Produktionsanlagen zu integrieren. Doch es geht - sagt Venti Oelde.

Sven Kühmel (re.) und Reinhard Hasenpflug
Sven Kühmel (re.) und Reinhard Hasenpflug

Es funktioniert sogar sehr gut, wenn auch nicht ganz ohne Klippen und Herausforderungen. Und vorausgesetzt, man kann auf die kompetente Unterstützung sowie auf das Know-how von Spezialisten zurückgreifen", bestätigt Sven Kühmel, Dipl.-Ing., Projektleiter Ingenieurwesen und Produktionstechnik bei der Mewa Textil-Mietservice Bottrop GmbH. Dass sich bei solchen Investitionen dann auch noch Prozesse und Energiebilanzen verbessern lassen, ist für ihn eine nützliche Folge. Darüber hinaus empfindet er es als logisch, dass gleichzeitig den Sicherheits- und Umweltschutzthemen Genüge getan wird und so zukünftige Europanormen bereits frühzeitig sowie dadurch kostengünstig zu erfüllen sind. Auch die Optimierung der Lufttechnik in Bottrop folgt dieser Maxime.

 

Luft als Rentabilitätsfaktor

 

"Beim Absaugen von Lösemittel-, Öl-, Benzin- und Chemikalienausdünstungen sowie bei der Fremd- und Schadstoffbeseitigung ist Luft als Prozessmedium unverzichtbar. Doch auch bei Anlageneinbringung rund um Waschen, Trocknen, Transportieren, Sortieren und Konfektionieren sowie bei der Faserabsonderung ist Luft von Bedeutung. Moderne Lufttechnik sorgt für die effiziente Belüftung von Hallen und definierten Prozessstationen. Auch zum impulsgeführten Abreinigen von Filterstufen sowie beim Brand-, Explosions- und Umweltschutz ist sie ein Erfolgsgarant", erläutert Sven Kühmel. "Damit die Funktionalität und Wirtschaftlichkeit der gesamten Verfahrenstechnik gewährleistet ist, müssen spezifische Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehören die präzise Zufuhr konditionierter Luft, optimal platzierte Leitungen, strömungstechnisch günstige Übergänge und Abluftöffnungen etc. Hinzu kommen wirkungsgradoptimierte Ventilatoren und zuverlässige Steuerungssysteme für Temperatur, Feuchte, Frischluftzufuhr. Am Ende stehen Filtration und Abluftbehandlung." Die bei der Reinigung freigesetzten Flusen, Staub, Späne, Fette, Öle, Lösemittel und gesundheitsgefährdenden Stoffe müssen abgeschieden bzw. gemäß den europäischen ATEX-Richtlinien explosionsgeschützt effizient abgesaugt und gesetzeskonform eliminiert werden.

Anordnung Fördergebläse und Tuchfänger
Anordnung Fördergebläse und Tuchfänger

In Bottrop ist seit kurzem eine modernisierte Putztuchreinigung in Betrieb. Pro Jahr werden 130 Mio. 40 x 40 cm große Baumwolltücher gewaschen, überprüft, konfektioniert, verpackt und wieder zur Verfügung gestellt. Nur sechs Monate durften die Entfernung der Altanlagen und die Neuinstallation der über zwei Stockwerke verknüpften Doppellinie dauern. Trotz baulich bedingter Problemstellen war ein längerer Stillstand des Betriebes nicht zu vertreten. Exakte Vorplanung und professionelle Projektarbeit sollten das Gelingen beschleunigen. Obwohl während des Umbaus gravierende Hemmnisse nicht ausblieben, wurden das Zeitziel und die berechnete Funktionalität der Neuinvestition erreicht. Venti Oelde trug maßgeblich dazu bei.


Mewa bevorzugte Venti, weil getreu dem Slogan "alles aus einer Hand" ein Ansprechpartner für unterschiedliche Gewerke vorteilhafter ist - wenn er alle Kompetenzen besitzt. Reinhard Hasenpflug, Projektleiter Entstaubungs- und Fördertechnik bei Venti, koordinierte und kommunizierte zwischen den Beteiligten. Er führt es auf Know-how und Leistungsbandbreite zurück, dass Venti den Auftrag über die lufttechnischen Anlagen in Bottrop erhielt und auch bei internationalen Mewa-Projekten Lösungsvorschläge unterbreiten kann. Er verweist darauf, dass die Komplexität des Projektes keine Schubladenlösung zuließ. "Umdenkprozesse des Kunden, baulich äußerst beengte Verhältnisse und nachträgliche Überraschungen zwangen sogar zum zeitweiligen Beschreiten von Neuland." Doch alles klappte hervorragend: Insgesamt 13 Funktionseinheiten berechnete und konzipierte Venti. Die Ingenieure realisierten lufttechnische Aggregate und Systemlösungen zum Absaugen, Reinigen, Filtern, Ergänzen und Transportieren. Darunter moderne Ventilatorentechnik, Absauganlagen für Trockner, für die Filter im Trockner, für Heizregister und Fasskippstationen. Es folgten Entstaubungseinheiten, Entlüftungs- und Luftergänzungsanlagen. Eine Ringförderanlage übernimmt den Transport zur Tuchvereinzelung. Darüber hinaus gehörte die Luftübertragung zwischen den Stockwerken und Räumlichkeiten ebenso wie die Belüftung der Schaltschränke zum Auftragsumfang.

Absaugventilatoren für Trockner
Absaugventilatoren für Trockner

Einige Lösungen konnten der Baukastensystematik entnommen werden, anderes entstanden durch Maßschneidern oder Maßkonfektion. Den Abschluss bildeten Endmontage vor Ort, Rohrleitungsbau und Installationen sowie die Inbetriebnahme zusammen mit dem Kunden. Hemmnisse, wie zum Beispiel die erzwungene Komponentenlieferung durch das partiell abgedeckte Dach, forderten die Kreativität heraus. Doch selbst Kunstkniffe bei der Anlageninstallation auf nur eingeschränkt tragfähigen Decken- bzw. Fußbodenkonstruktionen brachten die Modernisierer "nicht vom Kurs ab". Immerhin: "Sie stellten Klippen dar, die zu umschiffen waren und Zeit kosteten", bemerkt Reinhard Hasenpflug. "Die Abscheidung und Abreinigung der Flusen durch Filter wurde zur technologischen Herausforderung und belastete gleichfalls das Zeitkonto. Feucht verklumpen und verkleben sie, trocken können sie vernetzen oder schweben federleicht auf kleinsten Luftpolstern. So lassen sie sich nur schwierig in den Filtern abreinigen." Aber auch hierfür fand Venti eine optimale Lösung, und der erzielte Reststaubgehalt von < 0,2 mg/m³ ist auch beachtlich: Im Gegensatz zu den in der Textilindustrie weit verbreiteten Trommelfiltern hat Venti bei Mewa spezielle Schlauchfilter mit Doppelimpulsreinigung installiert. Sie sind besonders kompakt, wirtschaftlich, effizient, wartungsarm und individuellen Erfordernissen anzupassen. Neben der inneren Impulsabreinigung besitzen sie außerhalb der Filterschläuche so genannte rohgasseitige Impulsdüsen. In Intervallen wird über schnell öffnende Ventile hochgespannte Luft schussartig (0,1 s Impuls) freigesetzt. Sie reißt Sekundärluft mit und löst so Staub, Flusen, Schmutzpartikel etc. und bläst diese in Richtung Austrageboden. Zusätzlich unterstützt die Schwerkraft den Prozess. Ohne weitere Filterstufen oder sonstigen apparativen Aufwand lässt sich die gereinigte Luft wieder in die Hallen zurückführen. Diese Venti-Technologie verblüffte und überzeugte mit ihren Leistungsdaten auch schon viele andere Betriebe in der Textilindustrie.


Luft zur Leistung


Während der Modernisierungsmaßnahmen erfolgte eine enge Abstimmung mit allen Beteiligten, weil für die Gesamtsteuerung der Anlage diverse Schnittstellen und Vernetzungen zu kombinieren waren. Sven Kühmel lobte zum Abschluss die ideenreiche Zusammenarbeit, das Know-how und die Flexibilität aller Mitwirkenden. Natürlich werden alle Anlagen auch unter dem Aspekt des Brandschutzes, des Explosions- und Umweltschutzes ihren Aufgaben voll gerecht. Ein weiterer Vorteil: Steuerungstechnische Anpassungen ließen sich von Venti ohne den Einsatz von Ingenieuren vor Ort über den vorhandenen Modemanschluss schnell und perfekt realisieren. Einschließlich der Raumluft bewegt Venti-Technik nun rund 175.000 m³ Luft/h. Die hierfür installierte Motorleistung beträgt ca. 160 kW. Hochleistungsventilatoren für Innen-Gas-Ex-Zone 1 und für Temperaturbelastungen bis 150 °C fördern die lösemittelhaltige Abluft zur Schadstoffentsorgung. Die Venti-Jet-Schlauchfilter (sie arbeiten in einer Filterstufe mit sehr niedrigen Druckverlusten) erlauben dank geringster Reststaubgehalte die direkte Luftrückführung in die Arbeitsräume. Last, but not least fördert die pneumatische Tuchtransportanlage chargenweise bis zu 2.400 gereinigte und getrocknete Putztücher innerhalb von 30 s zu verschiedenen Abgabestellen. Luft wird so zum Zuverlässigkeits-, Wirkungs- und Produktivitätsfaktor. Die Dienstleistung der Mewa-Putztuchreinigung ist imposant und muss problemlos funktionieren. Ein Anlagenstillstand hätte schwerwiegende Folgen. "Wir sind daher für unsere verfahrenstechnischen Wertschöpfungspartner keine einfachen Kunden", bemerkt Sven Kühmel. "Aber", so ergänzt Reinhard Hasenpflug, "ein äußerst kompetenter und vorausschauender Partner, der konsequent Leistungen fordert, fördert und auch anerkennt".

Fasskippstation mit Luftabsaugsystemen
Fasskippstation mit Luftabsaugsystemen

Information – Die Bottroper Anlage

Da staunt der Fachmann
Durchschnittlich 11 Mio. Maschinenputztücher pro Monat werden bei Kunden nach dem Gebrauch in Spezialbehältern und von Mewa zur Reinigung abgeholt. Farbige Deckel kennzeichnen die Inhalte (mit Spänen, Öl, Fett, Lösemittel). Die Reinigung der Putztücher erfolgt in Bottrop in zwei Waschlinien und im Zweischichtbetrieb. Tücher mit Lösemittelkontaminierung erhalten eine Spezialbehandlung. Über den Kippstationen installierte Venti-Ablufthauben und -Direktabsaugungen an Kippvorrichtungen erfassen die gasförmigen Schadstoffe. Die anderen Tücher gelangen über Späneabrüttelvorrichtung und Trommelsieb zur Abscheidung von Feststoffen zur Waschmaschine. In beiden Großwäschern folgen Einweichen, Kochen, Spülen und Klarspülen im 300-s-Takt (Waschdauer 65 min). In einem Waschtakt befinden sich durchschnittlich 2.100 Tücher (Saubergewicht etwa 85 kg). Nach Entwässerungspresse, Zwischenspeicherung und Durchlauftrocknung folgt die Übergabe der Chargen an das Venti-Luftringsystem. Diese Rohrpost führt die Tücher der Vereinzelung zu. Qualitätskontroll-, Selektions- und Auslesemaschinen stehen am Ende der Linie. Den Abschluss bilden automatische und auch manuelle Verpackungsstationen. Zur Peripherie der Wäscherei gehören eine Abwasserbehandlungsanlage, das Kesselhaus sowie die Drucklufterzeugung und eine Abluftbehandlungsanlage mit thermischer Schadstoffentsorgung gemäß gesetzlicher Reglementierung.


Information – Firmenprofil


Zum Unternehmen
Die Ventilatorenfabrik Oelde GmbH, so der offizielle Name, ist schon lange nicht mehr nur Hersteller und Lieferant von Industrie- und Hightech-Ventilatoren. Inzwischen in vielen Branchen als Anlagen- und Komponentenbauer sehr erfolgreich, offeriert das mittelständische Unternehmen ein breites Produkt- und Dienstleistungsspektrum: Luft, Dämpfe und Gase, Staub und Leichtgut werden abgesaugt, gefördert oder abgeschieden. Neben herkömmlicher Luft- und Abscheidetechnik bis zu Bio-Filtern umfasst das Lieferprogramm Lüftungs-, Klima- und Wärmerückgewinnungsanlagen sowie Einrichtungen für Recycling und den Umweltschutz. Standard- und Individuallösungen, auch für die Textilindustrie, haben das Unternehmen, seine Spezialisten und „Spezialitäten“ international bekannt gemacht.